Hilfe für die Problemzone Rücken

Sport als Alternative zur Rücken-OP

In Deutschland leidet mittlerweile mehr als jeder Dritte unter Rückenproblemen. Wer kennt diese Situationen nicht: Man versucht das Kind auf der hinteren Sitzbank des Autos im Kindersitz anzuschnallen oder achtet beim Anheben der Sprudelkisten nicht auf einen geraden Rücken. Man spürt ein plötzliches Reißen und einen heftigen Schmerz im Rücken. Sofort nimmt man eine Schonhaltung ein. Aber das ist genau die falsche Therapie, denn dadurch verkümmern unsere Muskeln noch mehr.

In vielen Fällen erfolgt nach mehreren durchlittenen Wochen der Gang zum Arzt. Der rät dann häufig zur Operation der lädierten Bandscheibe. Die Anzahl der Rücken-OPs ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Damit ist der Rücken bei uns in Deutschland die Problemzone Nummer eins – Tendenz steigend. Mittlerweile warnen aber immer mehr Ärzte vor einer Rücken-OP, da in vier von fünf Fällen keine OP notwendig wäre. Aber so weit muss man es gar nicht kommen lassen. Man kann etwas dagegen tun!

Die Ursachen für Rückenbeschwerden können vielfältiger Natur sein:

  • mangelhafte Ernährung (z. B. zu wenig Trinken)
  • untrainierte Muskeln (z. B. zu langes Sitzen am Arbeitsplatz)
  • Bewegungsmangel (keinerlei körperliche Betätigung oder Sport)
  • Stress oder andere psychosoziale Belastungen (keine Entspannung)

Was vorbeugend hilft

Gegen die oben genannten Ursachen kann man etwas unternehmen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Rückenkranke  im Vergleich zu Gesunden eine um 40% reduzierte Maximalkraft im Bereich der Rückenstrecker aufweisen. Außerdem haben sehr viele Rückenkranke eine kraftlose Bein- und unausgeglichene Rumpfmuskulatur. Auch zu viel „Hüftgold“ tut den Bandscheiben nicht gut. Und genau hier hilft körperliche Belastung bzw. Sport. Unsere Muskeln sind für die Wirbelsäulengesundheit von zentraler Bedeutung. Sie schützen und stützen unsere Wirbelsäule. Ein starkes Muskelkorsett, das man sich durch Sport aneignet,  ist die beste Vorbeugung vor Rückenbeschwerden. Hierbei kommt es vor allem auf eine ausgeglichen trainierte Rumpfmuskulatur an. In einer Untersuchung in der Schulthess Klinik in Zürichkonnte zum Beispiel gezeigt werden, dass durch Aerobic die Rückenbeschwerden deutlich und auch nachhaltig reduziert werden konnten. Ein schöner Nebeneffekt war eine Gewichtsreduktion sowie ein moderates Training des Herz-Kreislauf-Systems, also insgesamt eine Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versuchsteilnehmer.1

5 Übungen zum Mitmachen:

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Superman-Übung für die Bein- und Rückenmuskulatur

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Crunches mit aufgelegten Beinen: Bauchmuskulatur

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Übung für die Rücken- und Gesäßmuskulatur: In Rückenlage die Beine aufstellen, Gesäß anheben

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Übung in Seitstützposition für die schräge Rumpfmuskulatur

Übungen

Übung in Unterarmstützposition in Bauchlage: Arm-Schulter-, Bauch- und Beinmuskulatur

Die Wasserkissenfunktion der Bandscheibe

Die Bandscheiben ermöglichen der Wirbelsäule erst ihre Beweglichkeit. Sie haben eine sogenannte „Wasserkissenfunktion“, also Dämpfungsfunktion. Sie werden nicht durchblutet, sondern nach dem Schwammprinzip versorgt. Tagsüber werden sie wie ein Schwamm langsam leergepresst. Das ist der Grund, warum wir abends bis zu 3 cm kleiner sein können als am Morgen. Nachts, während wir schlafen, saugt sie sich wieder voll und wird so mit allen notwendigen Stoffen versorgt. Entsprechend ist langes Sitzen am Computer, im Auto oder vor dem Fernsehapparat nicht gut für unsere Bandscheiben. Wer seiner Wirbelsäule etwas Gutes tun möchte, sollte ab und zu an einem Stehpult schreiben oder beim Autofahren mal Pause machen! Nützen Sie auch die Werbepausen im Fernsehen, indem Sie nicht herumzappen, sondern herumzappeln! Stehen Sie auf und räkeln oder bewegen Sie sich! Ihre Bandscheiben werden es Ihnen danken.


1  Blech, J.: Bewegung: Die Kraft, die Krankheit besiegt und das Leben verlängert, Fischer Verlag, 2008

 Grönemeyer, D.: Das Grönemeyer Rückentraining, Goldmann Verlag, 2012

3  Brötz, D., Weller, M.: Bandscheiben Aktiv-Programm, TRIAS-Verlag, 2011