Yoga oder Pilates – was ist besser für mich?

Sanfte sportliche Aktivitäten wie Yoga und Pilates sind „in“. Geschätzte 5 Millionen Menschen in Deutschland halten sich damit fit. Den Einstieg finden die meisten mittlerweile in Fitnessstudios, Sportvereinen oder Volkshochschulen. Dort kann man ganz unverbindlich beides ausprobieren.

Besonders für gestresste Menschen ist es interessant, sich mit Yoga und Pilates zu beschäftigen, denn die Lebensqualität lässt sich dadurch nachweislich verbessern. Beide Sportarten liefern einen medizinisch bedeutsamen Beitrag dazu, die allgemeine organische Belastbarkeit zu stärken und ausreichend zu regenerieren.

Yoga – Einheit von Körper und Seele

Es gibt zahlreiche Yogaformen, die mal mehr zur Meditation, mal mehr zur körperlichen Betonung tendieren. Dementsprechend umfasst Yoga nicht nur die körperliche, sondern auch die innere Schulung sowie eine gesunde Ernährung. Das bei uns weit verbreitete Hatha ist nur eine von sechs Yogaformen. Der sanfte Sport ist übrigens nicht nur für Frauen gedacht. Bei uns hat Yoga vor allem dadurch einen Boom – auch bei Männern – erfahren, dass bei der Sommermärchen-WM 2006 die Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft den Yogalehrer Patrick Broome engagierten. Denn für den Leistungs- wie für den Amateursportler gilt: Regelmäßige Yogaübungen helfen besonders Männern, ihre athletischen und mentalen Voraussetzungen für ihren Sport zu verbessern und gleichzeitig das Risiko von Verletzungen zu verringern.

Die bei uns im Fitnessbereich vorherrschende Variante des Hatha-Yogas besteht vorwiegend aus körperlichen Übungen, den sogenannten Asanas (überwiegende ruhende Körperstellung).1 Da die Übungen des Hatha-Yoga eine gewisse körperliche Fitness voraussetzen, wäre hier zunächst ein einführender Kurs zu empfehlen. Generell ist es ratsam,die Übungen unter hochqualifizierter Betreuung eines Yogalehrers zu machen und nicht ohne vorherige Anleitung im Selbstversuch. Yoga bietet zahlreiche präventive und therapeutische Möglichkeiten. Es hilft bei Rückenschmerzen, Schlafstörungen und Herzerkrankungen, mildert die Begleiterscheinungen und trägt zur Regeneration bei. Durch das Verkürzen von Erholungsphasen, das Steigern der Konzentrationsfähigkeit und das Verbessern der mentalen Ausgeglichenheit bietet Yoga gestressten Zeitgenossen eine effektive Hilfe an. Ergänzend wird Yoga bei Therapien zu chronischen Kopfschmerzen, Durchblutungsstörungen und nervösen Beschwerden wie Angst und Depression eingesetzt.

Pilates – sanft und Madonna sei Dank bekannt

Nur wenige Menschen wissen, dass Joseph Pilates, der Namensgeber und Begründer der Gymnastikform Pilates, 1883 in Mönchengladbach geboren wurde und auch dort aufgewachsen ist. Pilates wanderte in die USA aus. Hier wurde der Bekanntheitsgrad seiner Gymnastik in den 1990ern besonders durch den Popstar Madonna wieder gesteigert, als diese das Geheimnis ihres ewig jungen Körpers lüftete. Seither gibt es überall Pilates-Kurse.

„Nach 10 Stunden spüren Sie den Unterschied, nach 20 Stunden sehen Sie den Unterschied, nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper“, versprach Joseph Pilates, wenn man seine Gymnastikmethode regelmäßig betreiben würde.3 Bei solchen Versprechungen darf man eigentlich nicht lange zögern. Eine Verwandtschaft zu den fernöstlichen Meditationstechniken und Gymnastikformen wie Tai-Chi oder Yoga kann Pilates nicht verheimlichen; der Begründer selbst hatte sich intensiv damit beschäftigt. Pilates ist sanft, trifft die Bedürfnisse unseres modernen Lebens und kann unabhängig von Alter und Fitness betrieben werden. Körper und Geist in Einklang zu bringen und den Menschen zu ihrem individuellen Wohlbefinden zu verhelfen, das ist das große Ziel, das Joseph Pilates seiner Trainingsmethode vorangestellt hat. Das Grundprinzip besteht darin, in langsamen, fließenden Bewegungen die tiefliegende Muskulatur zu stärken und zu entspannen.3,4 Es gibt kein Hüpfen, Springen, Reißen oder schwere Gewichte beim Training.

Im Zentrum der Übungen steht für Joseph Pilates das Kraftzentrum, das Pilates-Powerhouse: Nabel zur Wirbelsäule ziehen, Beckenboden anspannen, Becken in die neutrale Position bringen, bei Muskelanspannung ausatmen, fertig – das „Powerhouse“ Ihres Körpers ist aktiviert. Die Wirksamkeit wurde durch wissenschaftliche Studien belegt. Schon nach 10 Wochen und 20 Übungsstunden konnte bei den Teilnehmerinnen eine deutliche Steigerung der Bauchmuskulatur festgestellt werden. Zudem gaben 88 % der Teilnehmerinnen an, dass sich ihre Körperhaltung verbessert habe. 82 % stellten fest, dass sie sich durch das Training körperlich wohler fühlten. 3 Zudem zeigte sich eine klare Verbesserung von Müdigkeit, Nervosität und Deprimiertheit.5

Fazit:

Wer eine Möglichkeit sucht, seinen Körper gezielt zu straffen und zu kräftigen und dabei gleichzeitig noch etwas für seinen Geist zu tun, wird durch Yoga und Pilates sicher Erfolg haben.

So umfassend trainieren Sie mit Yoga:

PHYSIOLOGISCHE ASPEKTE: mehr Kraft // bessere Beweglichkeit,Koordination, Atmung und Körperwahrnehmung // gut für die inneren Organe // schnellere und tiefere Regeneration
PSYCHOLOGISCHE ASPEKTE: Tiefenentspannung // Stressbewältigung // Motivation // mentale Vorbereitung auf Training und Wettkampf // verbesserte Konzentrationsfähigkeit
MEDIZINISCHE ASPEKTE: Verletzungsprävention // Erhaltung der Gesundheit im ganzheitlichen Sinne // Verbesserung der körperlichen, geistigen und seelischen Empfindungsfähigkeit.2


1 Broome, P.: Yoga für den Mann. Nymphenburger Verlag, München 2009

2 Syre, S., et al.: Yoga –Sportmedizinische Aspekte. In: SportOrtoTrauma 26, 2010

3 www.pilates.de

4 Bimbi-Dresp, M.:Das große Pilates-Buch. Verlag Gräfe und Unzer, München 2012

5 www.zfg-koeln.de