Sport lässt Gehirnzellen sprießen

Immer mehr Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich mit Sport die Gefahr von Alzheimer und Demenz deutlich reduzieren lässt. Schon ein bis zwei Trainingseinheiten à 30 Minuten pro Woche sorgen für eine verbesserte Hirndurchblutung und nachwachsende Gehirnzellen!

Bewegung lässt die Gehirnzellen sprießen

„Ein rollender Stein setzt kein Moos an“ – diese Weisheit aus dem Volksmund kennt fast jeder. Unsere körperliche, aber auch unsere geistige Gesundheit kann durch Sport und körperliche Bewegung gefördert und erhalten werden. Lange waren Wissenschaftler davon überzeugt, dass die Möglichkeiten des erwachsenen Gehirns zu Um- und Neubildungsprozessen eingeschränkt sind. Im Oberstübchen würde es danach nur noch bergab gehen. Doch mittlerweile haben die Forscher erkannt, dass diese Annahme so nicht mehr haltbar ist. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre deuten darauf hin, dass Sport und Bewegung im Zusammenhang mit der Gehirnentwicklung immense Potenziale besitzen! Die Bildung von Nervenzellen findet kontinuierlich statt, und das Gehirn bleibt bis ins hohe Erwachsenenalter ein plastisches, sich veränderndes Organ.1 Bevor es bildhafte Untersuchungsverfahren wie die heutige Kernspintomographie gab, war man der Meinung, das Gehirn sei – was seine Durchblutung anbelangt – vom Sporttreiben unabhängig. Das stimmt so nicht. Durch Sport und körperliche Aktivität nimmt unsere Gehirndurchblutung zu – eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Neubildung von Gehirnzellen. Anders gesagt: Sport lässt Gehirnzellen sprießen! Das gilt für alle Altersklassen.

Sport verbessert Schulnoten

Für den Nachwuchs gilt, dass sich laut einer Studie der schottischen Universität Dundee die schulischen Leistungen durch Sport merklich verbessern können – Lernen natürlich vorausgesetzt. Die Wissenschaftler stellten einen Zusammenhang zwischen der Sporthäufigkeit und den Schulnoten fest. Dazu untersuchten die Forscher bei 5.000 Elfjährigen das Ausmaß ihrer körperlichen Aktivitäten. Weitere Vergleiche fanden statt, als die Kinder 13 und 16 Jahre alt waren. Die Schüler, die bereits als 11-Jährige vergleichsweise viel Sport trieben, hatten in den drei überprüften Fächern bessere Noten als die weniger aktiven Kinder. Bis zum 16. Lebensjahr verbesserten sich die Noten analog zur Steigerung der sportlichen Aktivitäten. Die Noten waren umso besser, je früher mit dem Sport begonnen wurde! Die Ergebnisse sprechen dafür, die Kleinen schon früh zum Vereinssport anzumelden. Am besten sollte die Oma oder der Opa die Kinder mit dem Fahrrad zum Sport begleiten, denn sie profitieren auch davon.2

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Motor für Geist und Körper

Wenn wir Sport treiben, durchflutet sauerstoffreiches Blut unser Denkorgan. Dadurch fluten auch bestimmte Substanzen durch das Gehirn, die vorbeugend gegen Gefäßabbau und stabilisierend auf die Neuronen und ihre Verschaltungen wirken.

Sport für mehr Gehirnzellen im hohen Alter

Neuere Untersuchungen zeigen erstmals, dass körperliche Aktivität in Bezug auf Alzheimer- und Demenzerkrankungen vorbeugend wirkt. Dabei wurde festgestellt, dass vor allem die Alzheimer-Demenz bei körperlich aktiven Personen zumindest später eintritt als bei nichtaktiven Personen.3 Die Daten verschiedener Studien zum Demenzrisiko sprechen dafür, dass regelmäßige körperliche Aktivität, mit der man bereits im mittleren Lebensabschnitt begonnen hat, von präventivem Nutzen ist.4

Was ist gut fürs Gehirn?

Die meisten Studien weisen darauf hin, dass ein leichtes bis mäßiges Training sowie Bewegungen im Alltag einen großen Effekt haben. Konkret werden zum Beispiel zwei bis vier Trainingseinheiten von 30 Minuten Dauer empfohlen. Einige Studien favorisieren konditionelles Training, andere Koordinationsschulung. Hinzu kommt, dass der Spaß und die Freude an der sportlichen Betätigung nicht zu kurz kommen sollten. Man soll die sportliche Belastung als etwas Positives, das eigene Wohlbefinden Steigerndes wahrnehmen. Den größten Profit scheinen Personen zu haben, die körperlich sehr inaktiv leben, körperlich nicht besonders fit sind und dann in ein sanftes Bewegungsprogramm einsteigen.5 Speziell die positiven Anpassungserscheinungen der aeroben dynamischen Ausdauerleistung wurden betrachtet.

Hierzu zählen:

  • WalkingSport lässt die Gehirnzellen sprießen
  • Nordic Walking
  • Jogging (auch Laufband)
  • Radfahren (MTB/Straße/Spinning)
  • Schwimmen, Rudern
  • Kajakfahren (auch Wanderkajak)
  • Crosstrainer
  • Inlineskating
  • Aerobic (Step-Aerobic)

Wenn wir uns bewegen, ist auch immer unser Gehirn daran beteiligt. Als schönen Nebeneffekt konnten mehrere Studien feststellen, dass körperliche Aktivität gleichzeitig zu einer emotionalen Stabilisierung führt. Zusammenfassend formulieren sie: Sportlicher Betätigung im Allgemeinen und der Lauftherapie im Besonderen kommt auch im Hinblick auf die bekannten Zusammenhänge zwischen Depression, metabolischem Syndrom und Herzinfarktrisiko eine erhebliche Bedeutung zu.1-5 Bewegen Sie sich – Ihr Gehirn wird es Ihnen danken!


1  vgl. Müller, K.: Prävention – Wer rastet, der rostet – Bewegung als Therapeutikum für Menschen mit Demenz? In: DSS Nr. 2, 2008

2  Ärzteblatt: Regelmäßiger Sport verbessert schulische Leistungen, www.aerzteblatt.de, Zugriff: 20.11.2013

3  vgl. Abbott, R. D. et al.: Walking and dementia in physically capable elderly men. In: JAMA 292(12), 2004

Hauer, K.: Trainingserfolge bei Demenz. In: Fit für die zweite Halbzeit, 2008 

5  Neumann, N. U., Frasch, K.: Neue Aspekte zur Lauftherapie bei Demenz und Depression – klinische und neurowissenschaftliche Grundlagen. In: Dt. Z. f. Sportmed., 57, 06/2006