Die Paleo Diät

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Bereits 2008 erschien das Buch „Ein Mammut auf dem Teller?“ des Ernährungswissenschaftlers Nicolai Worm. Im selben Jahr wurde bei Simulationsingenieur Balázs Bojkó aus München eine autoimmune chronische Darmentzündung diagnostiziert. 2011 stellte Bojkó seine Ernährung auf Paleo um und bekam die Krankheit in den Griff.  Die Verdauung wurde besser, Entzündungen wurden gehemmt, körperliche und geistige Fitness sowie die gute Laune kamen wieder. Aufgrund seiner Erfahrungen schrieb er das Buch „Einfach Paleo“ (s. Kasten) und gründete die Website paleowelt.de, auf der neben vielen Tipps und Rezepten auch auf Paleo getrimmte Produkte angeboten werden. So zum Beispiel PaleoPasta, die z. B. aus Sesam- statt aus Weizenmehl besteht und glutenfrei sowie reich an Mineralstoffen und Eiweiß ist.

Wie funktioniert Paleo?

Der Verzicht auf Getreide zählt zu den wichtigen Punkten dieser Ernährungsform. Die Anhänger der Steinzeitdiät vermeiden oder ersetzen eine ganze Reihe von Lebensmitteln, die erst mit der Einführung von Ackerbau und Viehzucht für den Menschen verfügbar wurden. Die normale Standardernährung wird als nicht „artgerecht“ betrachtet und die Paleo-Anhänger verbinden sie mit einer ganzen Reihe von Zivilisationskrankheiten wie z. B. Diabetes, Herzinfarkt und dem metabolischen Syndrom*. Man setzt auf naturbelassene Lebensmittel ohne Geschmacksverstärker, wie in der Steinzeit eben. Im Klartext: Paleo-Diät ist eiweißbetont (Fisch und Fleisch), zuckerarm und lehnt aber Hülsenfrüchte sowie verarbeitete Wurst- und Fleischprodukte ab, auch Milch(produkte) soll man meiden. Es werden keine Kalorien gezählt, dafür wird auf die Versorgung des Körpers mit allen wichtigen Nährstoffen geachtet. Daher ist Paleo, auch wenn sie oft so genannt wird, keine Diät, sondern eine langfristige Ernährungsumstellung. Diese kann man auch nur teil- oder zeitweise in seinen Alltag integrieren. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist gegen Pilze, Obst, Salat, Gemüse, Nüsse, Fisch, Fleisch und Eier nichts einzuwenden. Auf naturbelassene Lebensmittel zurückzugreifen und Fertiggerichte bzw. verarbeitete Lebensmittel zu meiden ist gut. Auch auf Weißmehlprodukte und zuckerreiche Lebensmittel zu verzichten macht Sinn. Die Familie von Balázs verzehrte vorübergehend nahezu keine verarbeiteten Produkte. Stattdessen viel Gemüse, gutes Fleisch, nahrhafte Innereien. Heute halten sie es damit etwas lockerer und dadurch alltagstauglicher.

Was sagen die Kritiker?

Ein Argument von wissenschaftlicher Seite ist, dass es „die“ Steinzeitdiät überhaupt nicht gibt, der Mensch war schon immer ein Nahrungsgeneralist. Es liegen zwar einige Einzelstudien vor, aber Langzeitstudien zur Paleo-Diät sind bisher eher Mangelware. Fleisch aus Weidetierhaltung und Fisch aus nachhaltigem Fang machen die Sache nicht einfach und sind eine echte Kostenfrage. Auch mit Restaurantbesuchen wird’s eng. Zudem muss man sich zusätzlich theoretisch mit dieser Ernährungsform auseinandersetzen und kann nicht einfach mal kurzentschlossen loslegen. Es gibt aber genügend Online-Portale und Bücher zum Thema, meist gespickt mit leckeren Rezepten für Neugierige.

Auf paleowelt.de finden sich zum Beispiel Leberknödel, Topinambur-Salat und Kalbsschnitzel in Kokos-Paprika-Sauce zum Nachkochen. Auch Vegetarier werden fündig.

Dass Paleo-Fans eine gesteigerte Bewegung wichtig ist, liegt nahe, denn die Ernährung nach dem Steinzeitprinzip soll die Menschen gesund halten und fit machen. Schon damals gehörte vermutlich eine bewegungsintensive Jagd dazu, um ein Mammut zu erlegen, und das Zerlegen in portionsgerechte Stücke erforderte viel Kraft.

*metabolisches Syndrom = Übergewicht durch Bauchfett, Fettstoffwechselstörung, Diabetes und Bluthochdruck